Die Morgensonne taucht Dorfen in ein sanftes, goldenes Licht. Ein neuer Tag beginnt, und ich schnalle meine geliebten Sandalen um, spüre das weiche Leder an meinen Füßen und trete hinaus in meine unmittelbare Wohnumgebung. Kein Rucksack, keine Eile – nur ich und die Landschaft, die mich seit Jahren begleitet. Als Rentner genieße ich diese Spaziergänge in vollen Zügen, denn sie sind für mich mehr als nur Bewegung – sie sind eine Begegnung mit der Natur, mit der Geschichte, mit den Frauen und mit mir selbst.
Dorfen, die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Erding, breitet sich mit ihren 203 Gemeindeteilen über eine Fläche von 99,56 km² aus. Ich schlendere durch die schmalen Gassen des Hauptortes, vorbei an alten Häusern mit roten Dächern, die in der Morgensonne leuchten. Das Stadtwappen, das auf Siegel aus dem 14. Jahrhundert zurückgeht, zeigt drei silberne Häuschen mit goldenen Dächern auf blauem Grund – ein Sinnbild der Geborgenheit, die ich in dieser Stadt empfinde.
Mein Weg führt mich aus der Stadt hinaus, hinein in das sanfte Hügelland nördlich der Isen. Hier, im Isar-Inn-Hügelland, hat die Natur mit Molasseablagerungen eine Landschaft geformt, die mit ihren weichen Erhebungen, plätschernden Bächen und dichten Wäldern zum Verweilen einlädt. Ich spüre den festen Boden unter den Sandalen, genieße den kühlen Schatten der Bäume und lausche dem Rauschen der Blätter im Wind. Das Erdinger Holzland erstreckt sich vor mir, ein uraltes Waldgebiet, das in seiner stillen Erhabenheit eine fast meditative Wirkung hat.
Südlich der Isen verändert sich die Landschaft. Hier beginnt das eiszeitliche Moränengebiet mit seinen langgezogenen Bergen, tiefen Tälern und dichten Wäldern. Das Gattergebirge erhebt sich majestätisch am Horizont, seine bewaldeten Höhenzüge wechseln sich mit weitläufigen Wiesen ab. Ich atme die klare Luft ein, die hier oben frischer und würziger ist. Jeder Schritt fühlt sich wie eine Verbindung zur Vergangenheit an, zu den Kräften der Natur, die dieses Land einst geformt haben.
Der Talraum der oberen Isen erstreckt sich von West nach Ost und begleitet mich auf meiner Wanderung. Die Isen selbst plätschert ruhig dahin, ein schimmerndes Band inmitten grüner Wiesen. Ich verweile einen Moment am Ufer, beobachte das sanfte Spiel des Wassers, das die Strahlen der Morgensonne reflektiert. Der Fluss hat die Landschaft über Jahrtausende hinweg geprägt, genau wie er heute meine Gedanken formt – ruhig, stetig und voller Leben.
Ich spaziere weiter, spüre die Jahreszeiten in jedem Schritt. Im Sommer, wenn die Niederschlagsmenge mit bis zu 106 mm im Juli ihren Höchststand erreicht, duftet die Erde nach frischem Regen, und die Felder stehen in sattem Grün. Jetzt, im Februar, wo der Niederschlag mit durchschnittlich 41 mm am geringsten ist, liegt ein Hauch von Kälte in der Luft, aber die klare Wintersonne taucht alles in ein sanftes Licht. Die Wetterverhältnisse formen nicht nur die Natur, sondern auch meine Wahrnehmung – jeder Spaziergang ist ein neues Erlebnis, ein neues Kapitel in meinem persönlichen Wanderbuch.
Dorfen liegt 465 Meter über dem Meeresspiegel, eingebettet in diese vielfältige Landschaft. Mit jeder Steigung, mit jeder Kurve meiner Route verändert sich der Blickwinkel. Mal sehe ich die Stadt in der Ferne, mal verschwinde ich zwischen den Bäumen und genieße die Stille. Die Fläche von fast 100 km² bietet mir unzählige Wege, und doch sind es oft die vertrauten Pfade, die mich am meisten berühren.
Während ich langsam zurückkehre, fällt mein Blick auf die blau-rote Flagge der Stadt. Sie weht sanft im Wind, als wolle sie mich willkommen heißen. Ich fühle mich angekommen – nicht nur körperlich, sondern auch in meinem Herzen. Dorfen ist meine Heimat, ein Ort, der mir Tag für Tag neue Schönheit offenbart. Jeder Spaziergang hier ist ein Geschenk, eine Reise durch die Geschichte, die Natur und meine eigene Seele.
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